Peter Voigt

Eine Hinterlassenschaft

Deutschland 2004 / 22 Min. / Betacam-SX / color
Buch: Peter Voigt, Regie: Peter Voigt, Sebastian Eschenbach, Kamera: Christian Lehmann, Schnitt: Thomas Malz.
Produzent: Elser Maxwell. Eine Co-Produktion mit dem Literaturforum im Brecht Haus.


hinerlassenschaft_mappe400Ende 2004 tauchte eine bislang verschollene Mappe auf, die der Dichter Bertolt Brecht im amerikanischen Exil angelegt hatte. 82 Blätter mit ausgewählten Bildern und Bildtexten, ausgeschnitten aus Zeitungen und Magazinen und eingeklebt in diese Mappe. Reflektionen über Hitler, die Nazis und die Welt in Zeiten des Krieges.

1956 – Berliner Ensemble
Ein Adolf Hitler Foto wurde gebraucht für ein Programmheft und zwar schnell. Bei Zentralbild der offiziellen Fotoagentur wäre ein Adolf Hitler Foto nicht leicht zu haben gewesen. Ein Adolf Hitler Foto zu veröffentlichen unterlag der Genehmigung.

Da bot Brecht an, mit einem Adolf Hitler Foto aus seinem Besitz auszuhelfen. Peter Voigt, ein 22-jähriger Assistent und Schüler Brecht wurde losgeschickt, es von ihm zu holen. Der Theaterchauffeur fuhr ihn nach Bukow zu Brechts Landhaus. Es war ein trüber winterlicher Vormittag an dem es nicht hell werden wollte.

Brecht erwartete Peter Voigt in seinem großen Arbeitraum. Das Foto lag da, abholbereit. Es war keine Originalfotografie, es war eine Reproduktion, aus einer ausländischen Zeitung geschnitten, irgendwann und zusammen mit einem anderen Foto von Hitler auf eine hellblaue Seite geklebt. Die Seite war eine von vielen Fotoseiten, sie füllten zusammen eine schwarze Mappe. Nicht nur ein Foto also, sondern eine Mappe mit Brechts gesammelten Zeitdokumenten. Sie lag aufgeklappt auf einem kleinen Tisch.

Brecht begann, die Mappe durchzublättern, durchzusehen, Seite für Seite, Bild für Bild. Die Mappe war ein Ertrag der Exiljahre. Er sah nach, was ihn im Exil beschäftigt hatte und ließ an seiner Seite den Schüler daran teilhaben. In Erinnerung geblieben ist seine Art, diesen Bildseiten zu begegnen, ein eigentümlicher Respekt für das Dokument.

Vor kurzem erst war seine „Kriegsfibel“ erschienen, dokumentarische Fotos mit Epigrammen und jetzt war diese Mappe ein Hinweis, dass es noch anderes Dokumentarisches gab bei ihm.
82 Blätter mit ausgewählten Bildern und Bildtexten. Es gibt die Kriegsfibel und es gibt diese Mappe, als eine Hinterlassenschaft.
 


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