Peter Voigt

Wieland Förster – Protokoll einer Gefangenschaft  / I-III

BRD 1991, 3 x 45 Min, Beta SP
Regie: Peter Voigt, Kamera: Christian Lehmann, Redaktion: Bernd Burkert, Schnitt: Ursula Bredow,
Produktion: DEFA GmbH


16jährig von einem sowjetischen Mlitärgericht zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, begnadigt zu siebeneinhalb Jahren.

wieland_Foerster2_400„Mit dem filmischen Unternehmen ‚Protokoll einer Gefangenschaft’ ist DEFA-Dokfilm GmbH einem Wunsch von Wieland Förster nachgekommen.
Ich, als Regisseur, hatte mit diesem persönlichen Material achtungsvoll umzugehn. Es transportfähig zu machen, nichts dazu zu leisten als es zu rhythmisieren. Es sind Wieland Försters Filme, zu denen ich geholfen habe.

Wir haben mit ihm auf dem Dresdener Gelände gedreht, ohne Rücksicht auf Länge (gedacht war an ein ca. 30-Minuten-Dokument). Dann haben wir das Material zu drei Filmen sortiert.

Der 1. Film, ‚Die Begnadigung’, zeigt den sozusagen juristischen Fall, die nächtlichen Verhöre, denen der 16jährige unterzogen wurde, deren Verlauf und Ergebnis.

Im 2. Film, ‚Die Zelle’, schildert Wieland Förster drei Monate Leben in der Haftzelle, gedenkt der Mitgefangenen und der sowjetischen Bewacher.

Der 3. Film, ‚Passion’, umkreist die letzten Tage nach der Verurteilung vor dem Abtransport zum Zuchthaus Bautzen.
Wieland Förster, scheint mir, ist motiviert von der geradezu panischem Sorge, daß so viel individuelles Leid – und er meint damit nicht sein eigenes – vergessen werden könnte.“

Zur Vorführung in der Akademie der Künste, April 92


Aus dem 2. Film, „Die Zelle“
Und vielleicht ist es Zeit zu sagen, daß man aus so einem Gefängnis überhaupt nicht fröhlich rauskommt. Daß  man auch keinen Frohsinn oder keine Freude empfindet, nicht mehr dort zu sein. Wenn die Zeit der Haft lang genug gewesen ist, geschieht etwas, was nicht mehr mit Erlösung oder so etwas zu tun hat, sondern man ist traurig, wenn man entlassen wird. Das klingt absurd, aber es ist so. Man ist traurig, daß man diesem Tode entgeht, denn es ist ja immer eine Konfrontation auch mit dem Tod gewesen. Und das ist vielleicht das Unverständliche an der menschlichen Natur – oder, wenn ich für mich spreche, vielleicht für mich. Weshalb freut man sich nicht, wenn man etwas derartigem entronnen ist.


 


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